Klaus Zimmermann, Motivation, Unternehmen, Mitarbeiter, Feierabend
Entfaltung statt Beamtenmentalität

Teamsitzung zum nächsten Projekt. Alle diskutieren aufgeregt, nur Michael beteiligt sich mal wieder nicht und starrt auf seinen Notizblock. Mitarbeiter des Monats wird er wohl nie werden … Oder anders gesagt: Beamtenmentalität. Pur. Mit geringsten Aufwand schlängelt sich Michael durch den Tag, die Kollegen sind ihm gleichgültig und sein einziges Ziel lautet: 17 Uhr. Feierabend. Volle Kraft voraus – jetzt rufen die Freizeitaktivitäten! Wie schön für Michael … 

Aber als Unternehmer haben Sie sich in der Personalauswahl total vergriffen. Oder?

Die intrinsische Motivation ist da!

Sicher, solche Arbeitnehmer wie Michael gibt es immer mal wieder. Mitarbeiter, die weder fachlich und sozial ins Team passen, noch von der inneren Einstellung und der Persönlichkeit. Gut möglich, dass Sie im Auswahlprozess vorher den Kandidaten nicht ausreichend abgeklopft haben.  Oder dass er sich noch ganz anders präsentiert hat. Sich bei der Personalsuche zu vergreifen, das passiert selbst in den besten Unternehmen!

Doch nach meiner Erfahrung bilden Mitarbeiter, die dermaßen unmotiviert wie Michael sind, die absolute Ausnahme.

Ja, Sie können sogar davon ausgehen, dass 95 Prozent Ihrer Mitarbeiter grundsätzlich motiviert sind, ihren Beitrag zum Erfolg Ihres Unternehmens zu leisten. Wären sie es nicht, hätten sie sich nicht ausgerechnet bei Ihnen beworben. Jeder Mensch trägt eine intrinsische Motivation in sich, die nicht erst von außen entfacht werden muss. Sie ist bereits da! Sie braucht nur einen Raum, in dem sie sich entfalten kann. 

Wie könnte so ein Raum aussehen?

Wenn das Korsett erstickt

Denken Sie mal daran, welches Ideal Ihnen für Ihre Familie vorschwebt. Sie wollen ihr ein gemütliches, geräumiges und schönes Zuhause ermöglichen. Diesen Gedanken können Sie auch auf Ihr Unternehmen übertragen. Wenn Sie wie bei einer Familie einen Raum für Gleichgesinnte schaffen, können Sie die unterschiedlichsten Gruppenitglieder zusammenbringen: Unternehmer, Maler, Fliesenbauer, Zimmerleute, Assistenten, Sekretäre, Baugehilfen und und. Wichtig ist, dass jeder in diesem Raum seine Rolle findet – und genau das macht, was ihn motiviert.

Dann formiert sich aller Voraussicht nach ein starkes, sehr erfolgreiches Team. 

Wenn aber ein ganzes Team oder mehrere Mitarbeiter total unmotiviert sind, dann liegt es nicht daran, dass ihnen die grundsätzliche Motivation fehlt. Sondern daran, dass sie ihnen genommen wurde. Ja, sie können vorhandene Motivation total im Keim ersticken. Das schaffen Sie, indem Sie Menschen, die zum Beispiel viel Freiheit brauchen, in ein Korsett aus Normen und Kontrollmechanismen einzwängen – statt ihnen den Raum zur Entfaltung zu geben.

Michaels Motivationskiller

Umgekehrt nehmen Sie Mitarbeitern, die die Ordnung brauchen, ihre Motivation, wenn Sie sie in ein chaotisches Umfeld stecken. Oder indem Sie nicht den inneren Antrieb Ihrer Mitarbeiter beachten, sondern Ihnen fremde Ziele vorsetzen, mit denen sie wenig anfangen können – die sie aber zu erfüllen haben. Gerade das Ziele-Vorsetzen kommt häufiger vor, als Sie denken. Und ist ein echter Motivationskiller.  

Wenn Ihre Mitarbeiter die Unternehmensziele nicht mit der Energie verfolgen, mit der Sie es gern hätten, kann es gut sein, dass Sie nicht den Raum geschaffen haben, in dem Sie sich entfalten können. Es liegt also ein Konflikt zwischen dem Antrieb des Unternehmens (bzw. Ihrem) und den inneren Antrieben Ihrer Mitarbeiter. 

Um einen gemeinsamem Entfaltungsraum statt Beamtenmentalität zu schaffen, sollten Sie also auch den inneren Antrieb Ihrer Mitarbeiter beachten. Und so gilt diese Checkliste nicht nur für Michael: 

  • Kennen Sie die grundsätzlichen Ziele Ihrer Belegschaft?
  • Kennen Sie die persönlichen und beruflichen Ziele jedes einzelnen Ihrer Mitarbeiter?
  • Haben Sie einen offenen Austausch über die Unternehmensziele und die Möglichkeiten, die die Mitarbeiter sehen, geführt?
  • Haben Sie Ihre Mitarbeiter gefragt, wie sie zu Ihren Zielen stehen? 

Wenn Sie diese Punkte mit Ja beantworten, bin ich mir ziemlich sicher, dass Michael seine volle Kraft nicht mehr nur in die Freizeit steckt. Sondern auch in Ihr Unternehmen.

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