Wie Glaubenssätze uns behindern und was Sie dagegen machen können

Es ist wichtig, dass Sie Ihre Überzeugungen hinterfragen, denn Glaubenssätze, nach denen Sie handeln, können hinderlich oder bestärkend sein. Ich kannte einmal einen Unternehmer, der sich kein neues Auto gekauft hat, weil er sich ständig Gedanken gemacht hat, was wohl die Mitarbeiter dazu sagen. „Ich kann mir doch keinen Porsche kaufen, das sieht ja so aus, als würde es uns zu gut gehen“, hat er mir im Brustton der Überzeugung erklärt. Dabei wäre ein neues Auto wirklich nötig gewesen. Ich habe ihm daraufhin – mehr im Scherz – erklärt, dass er sich dann auch keine Schrottkiste kaufen könne, denn das sähe so aus, als würde es mit der Firma bergab gehen. Nach welchen Glaubenssätzen auch immer Sie denken und handeln – Glaubenssätze sind Werte, die Sie im Laufe Ihres Lebens erwerben und entwickeln. Sie sollen Ihnen als Maßstab und Orientierung dienen. Das heißt, Grundüberzeugungen müssen nicht immer negativ sein. Sie erziehen beispielsweise auch zu sozialen Werten wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Im nächsten Abschnitt spreche ich aber über Glaubenssätze, die Ihnen hinderlich werden können. Weil sie zum Beispiel überholt sind.

Denn Überzeugungen sind immer auch ein Produkt ihrer Zeit. Es ist fast Feierabend, als ich einen Anruf von Franz bekomme. Er will mich für ein Verkaufstraining buchen. „Wir müssen mehr verkaufen!“, sagt er panisch. Ich bin erstaunt, das klingt nach einer ernsten Situation. „Ich kümmere mich darum“, sage ich ihm und er legt etwas beruhigter auf. Ich kenne das Hausbauunternehmen seit vielen Jahren und weiß, dass es eigentlich gut dasteht und mehr als genügend Häuser verkauft. Franz, inzwischen 70, hat in der Fertighausbranche ein großes Unternehmen aufgebaut und vor allem mit den ersten Musterhäusern ein enormes Wachstum generiert. Die Firma hat Höhen und Tiefen überwunden, steht aber seit vielen Jahren auf einer soliden Basis. Vor drei Jahren hat Franz die Firma an seinen Sohn Markus übergeben. Aus Sorge rufe ich den Sohn, Markus, an und erzähle ihm von meinem Gespräch mit seinem Vater. „Nein, nein, alles in Ordnung“, versichert mir der Junior. „Mein Vater hat nur wieder Panik, dass die Firma pleitegeht“, sagt er lachend. Er erzählt mir, dass er beschlossen hat, dieses Jahr auf weitere Musterhäuser zu verzichten und lieber in Maßnahmen investieren will, die sich in den letzten Jahren als erfolgreicher erwiesen haben. „Mein Vater denkt immer noch in Schema F: Musterhäuser gleich Umsatzsteigerung. Aber das Konzept ist längst überholt.“ Daher also Franz’ Panik. Er fürchtet massive Umsatzeinbrüche, weil Markus auf andere Maßnahmen

setzt. Nach dem Telefonat mit Markus habe ich mich daran erinnert, dass die Firma schwere Zeiten erlebt hat und schon ein paarmal kurz vor der Pleite stand. Das war in den Achtzigerjahren, als die Fertighausbranche noch nicht den guten Ruf von heute hatte.

Die Angst, pleitezugehen, ist noch so fest in Franz verankert, dass er durch Markus’ Abkehr von Schema F in Panik geraten ist – obwohl der Sohn das Unternehmen seit Jahren auf Erfolgskurs hält. Hätte er dagegen wieder in Musterhäuser investiert, wäre das vermutlich eine Fehlinvestition gewesen. Was eine Generation als hilfreiche Lebensdevise empfunden hat, muss in der nächsten Generation nicht automatisch immer noch ein positiver Leitsatz sein. Werden Sie sich darüber klar, dass Grundüberzeugungen Sie behindern und von wichtigen Entscheidungen und Entwicklungsschritten abhalten können. Als Kind sind Ihnen einfache, verständliche Überzeugungen mit auf den Weg gegeben worden. Zum Beispiel: Wenn A passiert, muss ich B machen. Und wenn sich so ein Glaubenssatz in schweren Zeiten als hilfreich erweist, gibt er Ihnen Ihr Leben lang Sicherheit. Deshalb greifen Sie automatisch und unbewusst in bestimmten Situationen darauf zurück. Wenn Sie sich aber eigene Gedanken machen, erkennen Sie vielleicht, dass die Glaubenssätze, die Sie von Ihren Eltern oder Vertrauten übernommen oder selbst entwickelt haben, Sie in Ihrer weiteren Entwicklung hemmen und daran hindern, fortzuschreiten. Und dass Sie mehr davon haben, einen anderen Weg zu gehen.

Entwickeln Sie Ihre eigenen Glaubenssätze, aus sich selbst heraus. Glaubenssätze, die Ihnen guttun und Sie im Leben dahin bringen, wo Sie auch wirklich hin möchten. Änderung kann nicht von außen geschehen, sie muss aus dem Inneren kommen, aus der Überzeugung. Okay?

 

 

DIE SUCHT NACH SCHMERZ

Wer etwas verändern will, wird entweder von Lust oder Schmerz dazu gebracht. Die Menschen

sind süchtig nach Schmerz, nach negativen Gedanken und Gefühlen. Das klingt zunächst komisch, aber überlegen Sie mal: Wenn Sie in der Schule ein Diktat geschrieben haben, sagen wir mit hundert Wörtern, und Sie hatten zehn Fehler im Diktat: Sagt dann der Lehrer zu Ihnen, dass Sie 90 Wörter richtig oder zehn falsch geschrieben haben? Es geht immer um die Fehler, die wir machen. Und Fehler lösen negative Gefühle aus. Das heißt, wir werden von klein auf auf Fehler und negative Gedanken, Schmerz, getrimmt. Schmerz ist also neben Lust eine Hauptmotivation für all unser Handeln. Die Gefahr besteht jedoch, dass der Schmerz zu groß wird. Dann nämlich geht die Sucht nach negativen Gefühlen in Erschöpfung über.

 

 

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